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Ahnengräber der Orks

Autor: Yuko-sama
Eingefügt am: 01.07.2016 , 20:49
Letzte Änderung: am 01.07.2016

 

Aus Feuer wurden wir geboren, im Feuer gehen wir von dieser Welt. - orkisches Sprichwort.

 

 

Der Knochenhüter führte die Prozession an. Nar'shadra war die letzte Führerin der Schwarzpelze, der Häuptling. Sie lag aufgebart auf einer Trage. Die Trage wurde von drei stämmigen Orks und einer Orkin getragen. Jeweils eine Hand hob die Trage, die andere hielt eine Fackel. Hinter den Leichenträgern spielten ein halbes Dutzend Orks auf verschiedenen Instrumenten. Das Lied klang harsch, aber strahlte auch eine gewisse Freude aus. Den Musikern wiederum folgte eine gröllende und jubelnde Menge. Wie konnte man die Tote besser ehren, als durch Leben? Was dieses, von einer der vielen orkischen Gelage unterschied, war der Umstand, dass alle Teilnehmer der Prozession nüchtern waren. Keiner der Gemeinschaft, der Nar'shadra so viel gegeben hatte, wollte einen feierlichen Augenblick der Bestattung vergessen.

Schritt um Schritt näherten sich die Orks ihrem Heiligtum, den Grabeshöhlen. Sie versammelten sich auf dem zentralen Platz. Die Menge wurde still. Ein Jeder wollte den Worten des Knochenhüters folgen.


"Alle Orks sind hier versammelt, um Nar'shadra zu ehren! Sie war Mutter, Oma, Kampfgesegnete, Gemahlin und Stammesführerin. Sie führte den Stamm zehn Jahre lang. Diese Ehre wurde ihr zuteil, als die Clans sie mit stolzen einunddreißig Jahren auserwählten. Nun liegt sie tot vor uns. Vor Generationen wäre sie verbrannt worden, denn:"


Wie aus einem Mund riefen alle Orks auf dem Platz:


"Aus Feuer wurden wir geboren," eine kleine Pause folgte, "im Feuer gehen wir von dieser Welt."


Der Knochenhüter fuhr fort. "Doch mit dem Beben und dem Verlust der Bäume, können wir dir nur noch die Fackeln mit in dein Grab legen. Möge dich dieses Feuer zu den Ahnen führen." Dann spielten die Musiker erneut auf. Es klang noch harscher als vorhin. Die Instrumente hallten von den Bergen wieder. Kehlig stimmten die Orks ein Gebrüll an. Dieses hätte jedem Feind, ja selbst dem Tod, das Blut in den Adern gefrieren lassen. Während die Orks musizierten, widmeten sich der Knochenhüter und die Träger ihrer Arbeit. Sie wickelten die Stammesführerin in breite Fellstreifen ein. Als die Orks ihre Arbeit beendeten, verstummten auch die Instrumente. Der Knochenhüter wandte sich wieder der Menge zu: "Wir bringen nun der Ehrenwerten Nar'shadra die Gaben für ihre Reise." Nacheinander kamen Gruppen von Orks aus den verschiedenen Clans an die Trage. Sie legten Krüge mit Nahrung ab, vornehmens Fleisch. Tongefäse mit Bier, stapelten sich bald ebenso. Zuletzt legten die reichsten Clans eine Rüstung und eine schwere Axt ab. Abermals setzte Musik ein. Als Zeichen des letzten Tributes. Dann löste sich die Menge Orks auf und verrichteten ihre täglichen Aufgaben.

Der Knochenhüter wand sich der Orkin zu. "Ist der Honig vorbereitet?" Sie nickte nur und verschwand, mit den drei anderen, in einer Hütte. Diese Hütte war das Vorratslager der Knochenhüter. Sie kamen mit vier Fässern auf den Armen zurück. Die Orks begannen großzügig, den umwickelten Leichnam, mit den Honig einzuschmieren. Der Duft des Honigs lag schwer in der Luft, doch so konnte die Leiche konserviert werden. Die Orks hatten in der Vergangenheit gelernt, dass der Honig Tiere abhielt. Zumindest die meisten Fleischfresser. Einzig Bären ließen sich so nicht abhalten. Als sie fertig waren wurden die Fässer wieder verstaut. Der Knochenhüter hatte sich indess in Trance gebetet. Als die Träger wieder zurückkamen, berührte ihn einer der Orks sachte an der Schulter. Langsam entstieg der Knochenhüter seiner Trance. Die vier Orks hoben die Trage an. Gemeinsam setzten sich alle in Richtung einer der Höhlen in Marsch. Die konservierte Leiche verströmte nun einen süßlichen Geruch. Ein weiteres Zeichen des Lebens, nicht des Todes.

In der Höhle wurde der leblose Körper behutsam auf einen Stein gelegt. Die Höhle war beinahe zum Bersten mit Körpern der Schwarzpelze bedeckt, auch wenn nur die Ranghöheren Orks eine so ehrenhafte Bestattung erhielten. Die präparierten Leichen sah man jedoch nur in der Nähe des Eingangs. Deutlich mehr Leichen waren Brandüberreste. Die Kunst hierbei war es, die Hitze so zu wählen, dass die Knochen nicht verbrannten. Das Fleisch hingegen schon. Eine Schande, dass diese Tradition nicht mehr möglich war!

Weniger verdiente Orks wurden nicht in den Höhlen beigesetz, sondern durch ihre Clans, nahe der Stadt vergraben. Grabsteine oder ähnliches nutzten die Orks nicht. Manche Clans ließen ihre Verstorbenen auch in den Brennöfen der Eisenschmelzen verbrennen. Anders, als bei den früheren Bestattungen, verbrannten diese bei den dort vorherrschenden Temperaturen, jedoch restlos.

Anschließend verließen die Orks die Höhle. Der Knochenhüter ging seinen Aufgaben nach. Zwei weitere Höhlen warteten darauf, dass er nach dem Rechten sah.
Die erste der beiden Höhlen war die der Grünhäute. Sie war bei weitem nicht so gefüllt, wie die der Schwarzpelze. Das verwunderte nicht, denn schließlich waren die wenigen Grünhäute nur hier, weil sie nicht in ihre Sümpfe zurückkehren konnten. Zwei der Leichen waren präpariert wie Nar'shadra, die meisten anderen sahen aus wie verschrumpelte Mumien. Die Grünhäute tauchten ihre Toten für einige Jahre in Moor. Anschließend hielten sie sich beinahe ewig in den feuchten Höhlen. Ein kleiner Teil der Leichen war auch verbrannt worden.
Die zweite Höhle gehörte den Weißreißern. Da von ihnen ebenso wenige in Gurdan waren, als die Verbindung zu den anderen Stämmen abbrach, war auch diese Höhle nur spärlich mit Leichen gefüllt. Weiter hinten lagen fein abgenagte Knochen. Es galt bei den Weißreißern als Ehre, wenn ihre Knochen durch Ameisen freigelegt wurden und andere sie betrachteten. Ganz Hinten lagen hingegen einige verbrannte Skelette. Das Vorhandensein einer präparierten Leiche zeigte jedoch, dass auch sie die neue Bestattungsmethode übernommen hatten.
Als der Knochenhüter sah, dass alles seine Richtigkeit hatte, verließ er die Grabhöhlen. Die vier anderen Orks waren bereits gegangen. Auch der Knochenhüter machte sich zufrieden auf den Weg zurück in die Stadt....

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